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<title>Synode von Whitby</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Synode von Whitby</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Synode von Whitby</b> von <a href="664" title="664">664</a> war eine Kirchenversammlung im angelsächsischen <a href="Northumbria" title="Northumbria">Northumbria</a>, die bestehende Differenzen in der auf der britischen Insel praktizierten kirchlichen Tradition zwischen römischem und iroschottischem Ritus ausräumen sollte.
</p><p>Die Synode von <a href="Whitby" title="Whitby">Whitby</a>, die in der <a href="Whitby_Abbey" title="Whitby Abbey">Whitby Abbey</a> stattfand, war für die <a href="Angelsachsen" title="Angelsachsen">Angelsachsen</a> ein wichtiger Schritt weg von der <a href="Iroschottische_Kirche" title="Iroschottische Kirche">iroschottischen</a> und hin zur <a href="R%C3%B6misch-katholische_Kirche" title="Römisch-katholische Kirche">römischen</a> Kirchenordnung. Vordergründig ging es um liturgische und rituelle Fragen wie die Form der <a href="Tonsur" title="Tonsur">Tonsur</a> und das Datum des Osterfestes. Im Jahr <a href="664" title="664">664</a> fand die Synode von Whitby statt, die unter anderem die Berechnung des christlichen <a href="Osterdatum" title="Osterdatum">Osterdatums</a> festlegte, nach der <a href="Ostern" title="Ostern">Ostern</a> immer auf den ersten <a href="Sonntag" title="Sonntag">Sonntag</a> nach dem ersten Vollmond nach <a href="Fr%C3%BChling" title="Frühling">Frühlingsanfang</a> am 21. März fällt. Diese Regelung für den <a href="Feiertag#Gesetzliche_Feiertage" title="Feiertag">beweglichen Feiertag</a> setzte sich in ganz Europa durch und gilt bis heute. Die historischen Entscheidungen sind durch die Geschichtsschreiber <a href="Beda_Venerabilis" title="Beda Venerabilis">Beda Venerabilis</a> und <a href="%C3%86ddi_Stephanus" title="Æddi Stephanus">Æddi Stephanus</a> belegt. Dahinter verbarg sich jedoch der Streit um unterschiedliche Vorstellungen von Kirche. Dem Chronisten <a href="Beda_Venerabilis" title="Beda Venerabilis">Beda Venerabilis</a> zufolge wurden die strittigen Glaubensfragen offenbar als existentiell begriffen.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Neben Bedas <i><a href="Historia_ecclesiastica_gentis_Anglorum" title="Historia ecclesiastica gentis Anglorum">Kirchengeschichte</a></i> dient vor allem die <i><a href="Vita_Sancti_Wilfrithi" title="Vita Sancti Wilfrithi">Vita Sancti Wilfrithi</a></i> des <a href="%C3%86ddi_Stephanus" title="Æddi Stephanus">Æddi Stephanus</a> als Quelle für den Verlauf der Synode.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ausgangslage">Ausgangslage</h2></div>
<p>Die iroschottische Kirche, die sich in <a href="Irland" title="Irland">Irland</a> (durch die Mission des Heiligen <a href="Patrick_von_Irland" title="Patrick von Irland">Patrick</a>) und in den <a href="Romano-Briten" title="Romano-Briten">romano-britischen</a> Reichen der britischen Insel (<a href="Cornwall" title="Cornwall">Cornwall</a>, <a href="Wales" title="Wales">Wales</a>, <a href="Schottland" title="Schottland">Schottland</a>) entwickelt hatte, war nie vom römischen Reich tangiert und erlebte auch die Wirren der <a href="V%C3%B6lkerwanderung" title="Völkerwanderung">Völkerwanderung</a> nicht. Sie war somit im Frühmittelalter ein wichtiger Faktor in der Überlieferung des christlichen Wissens, da die Bücher der Antike in den keltischen Klöstern unbeschadet überlebten und durch eine hochstehende Buchkultur weitergeführt wurden. Die iroschottische Kirche blieb während dieser Zeit eigenständig und machte wie die <a href="Ostkirche" class="mw-redirect" title="Ostkirche">Ostkirche</a> viele Veränderungen der von Rom geprägten Westkirche nicht mit.
</p><p>Zu dieser Zeit war die <a href="Iroschottische_Mission" class="mw-redirect" title="Iroschottische Mission">iroschottische Mission</a> sehr erfolgreich – sowohl auf den Inseln als auch auf dem Festland. Entsprechend wurden auch die iroschottischen Vorstellungen von Kirche durch die Missionare verbreitet. In Irland gab es keine Diözesen wie in den zuvor zum <a href="R%C3%B6misches_Reich" title="Römisches Reich">römischen Reich</a> gehörenden Gebieten. Vielmehr gab es Kirchensprengel der Klöster, und der Abt stand dem Bischof vor, also umgekehrt als in der römischen Kirche. Außerdem galt das Recht der <i><a href="Brithem" title="Brithem">brithem</a></i> („Richter“) und nicht römisches Recht. Des Weiteren war das <a href="Wanderm%C3%B6nch" title="Wandermönch">Wandermönchtum</a> weit verbreitet, und die Verpflichtung zum Zölibat wurde mehrheitlich abgelehnt, so dass in den Klöstern nicht selten conhospitae (Mönche und Nonnen leben zusammen) praktiziert wurden.
</p><p>Die <a href="Angelsachsen" title="Angelsachsen">Angelsachsen</a>, die das Gebiet des späteren England eroberten, waren zunächst Heiden. Die Christianisierung der Angelsachsen erfolgte aus zwei Richtungen: ab 597 begann der von Papst <a href="Gregor_I._(Papst)" class="mw-redirect" title="Gregor I. (Papst)">Gregor dem Großen</a> gesandte <a href="Augustinus_von_Canterbury" title="Augustinus von Canterbury">Augustinus von Canterbury</a> von <a href="Kent" title="Kent">Kent</a> aus im Süden und Osten Englands mit dem Aufbau eines Kirchensystems mit dem katholischen Ritus für die dortigen angelsächsischen Königreiche, die im Verlauf des 7. Jahrhunderts nach und nach bekehrt werden konnten. Etwa zur gleichen Zeit gelangen vom Kloster <a href="Iona_(Schottland)" title="Iona (Schottland)">Iona</a> aus den Iro-Schotten, die dem iroschottischen Ritus folgten, bedeutende Missionserfolge im Norden Englands (Gründung von <a href="Lindisfarne_(Kloster)" title="Lindisfarne (Kloster)">Kloster Lindisfarne</a> um 635), die bis hinunter nach <a href="Mercia" title="Mercia">Mercia</a> reichten. Auf dem Festland folgte in diesem Jahrhundert in der Folge der Mission <a href="Kolumban_der_J%C3%BCngere" class="mw-redirect" title="Kolumban der Jüngere">Columbans</a> eine iroschottische Klostergründungswelle von rund 300 Klöstern.
</p><p>In Northumbria, dem mächtigsten Reich der <a href="Heptarchie" title="Heptarchie">Heptarchie</a>, trafen die beiden Traditionen aufeinander. Stand König <a href="Oswald_(Northumbria)" title="Oswald (Northumbria)">Oswald</a>, der 625 den ersten <a href="Erzbischof_von_York" title="Erzbischof von York">Bischof von York</a> einsetzte, noch der katholischen Lehre nahe, setzte sich nach ihm die iro-schottische Kirche durch. Unter <a href="Oswiu" title="Oswiu">Oswiu</a> drang dann wieder die katholische Liturgie vor.
</p><p>Die strittigen Fragen konnten in der Praxis zu nicht geringen Problemen führen. So berichtet Beda Venerabilis, dass innerhalb des northumbrischen Königshauses König und Königin an verschiedenen Tagen Ostern feierten. Um diese Differenzen zu klären, berief König Oswiu für September 664 in <a href="Whitby" title="Whitby">Whitby</a> eine Synode ein.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entscheidungen_der_Synode">Entscheidungen der Synode</h2></div>
<p>König Oswiu sei danach, ebenso wie die Bischöfe <a href="Chad_von_York" title="Chad von York">Chad von York</a> und <a href="Colman_von_Lindisfarne" title="Colman von Lindisfarne">Colman von Lindisfarne</a>, ein Vertreter der Iro-Schotten gewesen, die <a href="R%C3%B6misch-katholische_Kirche" title="Römisch-katholische Kirche">römisch-katholische</a> Position vertraten dagegen Oswius Sohn <a href="Ealhfrith_(Deira)" title="Ealhfrith (Deira)">Ealhfrith</a>, <a href="Wilfrid" class="mw-redirect" title="Wilfrid">Wilfrid</a> und Bischof <a href="Agilbert" title="Agilbert">Agilbert</a>.
Die Iro-Schotten beriefen sich auf den heiligen <a href="Apostel_Johannes" class="mw-redirect" title="Apostel Johannes">Johannes</a> und die Autorität des Heiligen <a href="Columba_von_Iona" class="mw-redirect" title="Columba von Iona">Columba</a>, während Wilfrid für die Römisch-katholischen auf den heiligen <a href="Simon_Petrus" title="Simon Petrus">Petrus</a> und das <a href="Erstes_Konzil_von_Nic%C3%A4a" title="Erstes Konzil von Nicäa">Konzil von Nicäa</a> verwies. Es heißt, der Disput sei dadurch entschieden worden, dass König Oswiu erklärt hatte, er wage es nicht, sich länger gegen <a href="Simon_Petrus" title="Simon Petrus">Sankt Peter</a> zu stellen.
</p><p>Bei diesem Streit wurden wichtige politische Interessen vertreten. König Oswiu sicherte sich mit dieser Synodalentscheidung fränkische Unterstützung. Er wollte mit Hilfe römisch geschulter Kleriker wie <a href="Wilfrith" class="mw-redirect" title="Wilfrith">Wilfrith</a> und vor allem des Erzbischofs <a href="Theodor_von_Canterbury" class="mw-redirect" title="Theodor von Canterbury">Theodor von Canterbury</a> seine Macht ausbauen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Auswirkungen">Auswirkungen</h2></div>
<p>Damit war Northumbria für den katholischen Ritus gesichert; wer danach dort noch Anhänger der Iro-Schotten war, zog sich nach Schottland zurück. Der <a href="Iroschottische_Kirche" title="Iroschottische Kirche">iroschottische Konvent</a> des <a href="Lindisfarne_(Kloster)" title="Lindisfarne (Kloster)">Klosters Lindisfarne</a> verließ nach der Synode von Whitby das Kloster.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zwar erfolgte der Übergang der noch iroschottisch verbleibenden Landeskirchen erst nach und nach, doch war die Entwicklung durch die Festlegung Northumbrias unumkehrbar geworden.
</p><p>Auf dem Festland wurden die entsprechenden Fragen bezüglich der beiden Riten, insbesondere die Mönchsordnung betreffend, auf dem <a href="Konzil_von_Autun" title="Konzil von Autun">Konzil von Autun</a> debattiert und ebenfalls zugunsten Roms entschieden. In Autun wurde dabei erstmals die <a href="Regula_Benedicti" title="Regula Benedicti">Regula Benedicti</a> verpflichtend vorgeschrieben und damit versucht, der weit verbreiteten iroschottischen Regel <a href="Kolumban_der_J%C3%BCngere" class="mw-redirect" title="Kolumban der Jüngere">Columbans</a> entgegenzuwirken.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit diesem Synodenausgang die Bindung Englands hin zum Festland und zur römischen Kirche gestärkt wurde. Damit war aber auch ein erster Schritt getan, die Eigenständigkeit und Verbreitung der iroschottischen Liturgie und Kirchenordnung zu schwächen. Endpunkt dieses Prozesses war erst einige Jahrhunderte später die <a href="Synode_von_Cashel" class="mw-redirect" title="Synode von Cashel">Synode von Cashel</a> (1172), mit der die Eigenständigkeit der iroschottischen Kirche unterging.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belletristik">Belletristik</h2></div>
<p>Der Krimi <i>Absolution By Murder</i> von 1994 (deutsch: <i>Nur der Tod bringt Vergebung</i>) des Autors <a href="Peter_Tremayne" title="Peter Tremayne">Peter Tremayne</a> behandelt die Synode von Whitby.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Arnold Angenendt: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900. Stuttgart 2001. S. 226f.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Jennifer Wenner: <i>Die frühchristliche Mission auf den britischen Inseln und ihr Einfluss auf den Kontinent</i>. In: <i><a href="Erbe_und_Auftrag" title="Erbe und Auftrag">Erbe und Auftrag</a></i>, Jg. 94 (2018), S. 248–259, hier S. 256.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Nicole Zeddies: Häresiegesetzgebung in der Spätantike und im frühen Mittelalter. In: Christoph Auffarth: Religiöser Pluralismus im Mittelalter? Berlin 2007. S. 70.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten (Veranstaltung): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/1182260500">1182260500</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no98095139">no98095139</a></span> </div>
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